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Forum: Leder selber Gerben / Heimgerbung RSS
Sämische Gerbung

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2009-08-09, 22:43 by Stefan Banaszak
Subject: Registrierung auch für Mitglieder der Ledertechnologie notwendig!
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2009-05-07, 20:41 by Stefan Banaszak
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Nappalan
Martin_K #1
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Subject: Sämische Gerbung
Hallo!

Die unter www.ledertechnologie.de begonnene Diskussion
zur sämischen Gerbung nun hier fortführend:

Hallo!

Einleitend möchte ich erwähnen, daß ich absoluter Laie bin und bisher nur theoretische Kenntnisse erlangt habe, durch ein Buch und hier im Internet.
1. Mein Ziel ist es unter häuslichen Bedingungen zu gerben.
2. Weiterhin sollte das hergestellte Leder wasserfest, also "echt" gegerbt sein, damit man es guten Gewissens auch vielleicht auf der eigenen Haut tragen kann.

Folgerung:
Chromgerbung scheidet aus, da ich keinen Sondermüll erzeugen will und eventuell durch Hautschweiß Chromverbindungen aus dem Leder gelöst werden können (stimmt das?).
Die vegetabile dauert mir schlichtweg zu lange, wäre vielleicht aber mal interessant, wenn ich den Prozess verstehe und lenken kann.
Gerben mit Kalium-Aluminium-Sulfaten ist ja doch nicht "echt", oder?

Deswegen meine Frage:
Im Lederpedia stand zur sämischen Gerbung, daß diese mit Dorschtran erfolgt. Irgendwo habe ich gelesen, daß Leinöl ebenfalls geeignet sei. Kann mir das jemand bestätigen? Gibt es Erfahrungen?

Oder kann mir sonst irgendjemand Tips geben?

Als Startobjekt habe ich gestern ein Rehfell von einem Jäger tiefgefroren erhalten.

MfG Martin


22.07.2009 @ 20:33    

   
Hallo,
evtl. sollten wir diese Diskussion unter http://forum.lederpedia.de/
weiterführen, da sicher viele Menschen interessiert sein dürften.

Also unter häußlichen Bedingungen sollten Sie keine Chromgerbung durchführen. Das wäre auch nicht zulässig.
Chrom VI ensteht bei richtiger Herstellung des Leders unter Anwendung von altbekannten zentraleuropäischen ledertechnologischen Erkenntnissen auch unter Schweißeinwirkung nicht. Das setzt aber die Herstellung unter kontrollierten Bedingungen gemäß Stand der hier geltenden Technik voraus.

Leinöl kann auch verwendet werden führt aber wegen der höheren Jodzahl von 170 - 190 zur schnellen Ausreaktion und erzeugt andere Eigenschaften wie das geliebte goldgelbe Sämischleder welches mit Dorschlebertran (Jodzahl 120 - 160) gegerbt wurde. Das ist leider nicht vergleichbar.

Aber Leinöl und Aluminiumsulfat gab es auch schon früher in dieser Reihenfolge und Kombination für technische Leder.

Gruß
S. Banaszak

Hallo!

Welche Eigenschaften hat dann ein mit Leinöl gegerbtes Leder?
Wird durch die höhere Jodzahl lediglich die Reaktionsgeschwindigkeit erhöht?
Könnte man das durch Mischen mit anderen Ölen, z.B. Rapsöl verhindern?
Ich denke dabei an stufenweises Erhöhen der Leinölkonzentration.
Wieso wird bei der o.a. Methode zuerst mit Leinöl und dann mit Aluminiumsulfat gegerbt?
Was wäre, wenn umgekehrt?
Zur Räuchergerbung:
Wie ich jetzt weiß, ist die Räuchergerbung nichts anderes als eine Formaldehydgerbung.
Bringt man den nicht gebundenen Stoff wieder aus dem Leder?
Wie wird die Räucherung am einfachsten durchgeführt? NB: Kenne nur die Methode
aus dem Buch: Gerben von Ottiger/Reeb.
Dann noch eine Frage, die sicher alle Heimgerber interessieren wird:
Woher bekomme ich die benötigten Chemikalien zu vernünftigen Preisen?
Sprich z.B. Kalium-Aluminium-Sulfat, Aluminiumsulfat, auch Leinöl oder Dorschtran, Borax etc.
Nochwas zum Entfleischen:
Wie genau soll der Scherdegen (oder scharfes Messer) auf der Haut aufgesetzt werden?
Wenn ich die Beschreibung richtig verstanden habe erfolgt die Messerbewegung wie die eines
Holzhobels, oder?
Viele Fragen eines Anfängers.
Nun, ich möchte meine erste Haut nicht gleich wegen eines Fehlers in die Tonne treten müssen,
wenn ich ihn hier hätte ausmerzen können.

MfG Martin
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Stefan Banaszak (Administrator) #2
User title: Moderator
Member since Apr 2009 · 127 posts · Location: Eningen
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Hallo Martin

Welche Eigenschaften hat dann ein mit Leinöl gegerbtes Leder?

Das resultierende Leder wird sehr hell werden und muss während der Trocknung gut gestollt (Stollmond, Tischkante Link Lederpedia 1: Link Lederpedia 1 Stollen und Link Lederpedia 2 Stollen Stollmond werden um die entsprechende homogene Weichheit zu bekommen. Die Temperaturbeständigkeit (Schrumpfungstemperatur Suche Lederpedia Schrumpfung ) und die Waschbeständigkeit bzw. die Waschbarkeit ist nicht wie bei "richtigem" Sämischleder, welches durchaus wechselfeucht werden darf und immer wieder zu seiner typischen Charakteristik im Gebrauch zurück findet, wenn es ausreichend gestollt wird.

Wird durch die höhere Jodzahl lediglich die Reaktionsgeschwindigkeit erhöht? Könnte man das durch Mischen mit anderen Ölen, z.B. Rapsöl verhindern? Ich denke dabei an stufenweises Erhöhen der Leinölkonzentration.

Grundsätzlich ist das möglich aber andere "nicht oxidationsfähige Fette verhindern das Bindungsbestreben und sollten nicht in Konkurrenz mit oxidationsfähigen Fetten kommen, zumindest nicht während dem Einwalken oder der nachfolgenden "Brut" (Bindung während der Oxidation Lederpedia Suche Brut). Natürlich kann man so eine haltbare Haut bekommen die dann aber eher als ein "Fettgarleder" bezeichnet werden kann.

Wieso wird bei der o.a. Methode zuerst mit Leinöl und dann mit Aluminiumsulfat gegerbt?
Was wäre, wenn umgekehrt?

Immer die 1. Gerbung, bzw. die 1. Quervernetzung des Kollagens bestimmt maßgeblich die Eigenschaften des Leders. Darum ist die Reihenfolge besonders wichtig für die gewünschte Charakteristik und den geforderten Anforderungen. Fettgarleder mit Aluminium im Nachgang erhält den pergamentartigen festen Charakter mit dennoch vorhandener Beweglichkeit und erzeugt aber eine höhere Temperaturbeständigkeit bei gleichzeitig trockener Oberfläche. Im umgekehrten Fall wird es ein sehr weiches aber fettgriffiges Leder ergeben.

Zur Räuchergerbung:
Wie ich jetzt weiß, ist die Räuchergerbung nichts anderes als eine Formaldehydgerbung.
Bringt man den nicht gebundenen Stoff wieder aus dem Leder?

Du kennst Dich gut aus, Martin. In der Tat wäre die alte Indianer - Rauchgerbung als Formaldehydgerbung zu betrachten. Das haben die Indianer nicht gewusst aber sicher gespürt. Denn ohne mehrmaligem Auswaschen und Trocknung gab es sicher Juckreiz und Rötungen. Das wird gelegentlich auch heute noch berichtet bei derartigen Versuchen nach alten Rezepturen / Vorstellungen / Überlieferungen etc. Bei Wasserknappheit brachte etwas Abhilfe die Fettung mit tierischen Ölen oder pflanzlichen Fetten die ein wenig Feuchtigkeit mitbrachte und ungebundene Stoffe verdrängen konnte. Aber Auswaschen war ein bekanntes Ritual und ist untrennbar von der Lederherstellung gewesen. Auch die Zeit zwischen der 1. Trocknung und dem 1. Auswaschen schien immer ziemlich lang. Je länger je besser. Das wurde häufig falsch verstanden und nicht der Lederherstellung zugeschrieben.

Wie wird die Räucherung am einfachsten durchgeführt? NB: Kenne nur die Methode
aus dem Buch: Gerben von Ottiger/Reeb.

Das wird dort gut beschrieben und führt sicher zum Erfolg.

Dann noch eine Frage, die sicher alle Heimgerber interessieren wird:
Woher bekomme ich die benötigten Chemikalien zu vernünftigen Preisen?
Sprich z.B. Kalium-Aluminium-Sulfat, Aluminiumsulfat, auch Leinöl oder Dorschtran, Borax etc.

An dieser Stelle muss natürlich der Hinweis kommen nicht mit umweltgefährdenden Chemikalien zu arbeiten und die jeweils geltenden Vorschriften zu beachten. Das gilt sowohl für das Abwasser als auch für Lagerung oder Nutzung von Chemikalien und dort insb. im Haushalt, sofern überhaupt zulässig. Sofern die vorherigen Punkte eingehalten, muss natürlich auch auf die Schutzausrüstung (Gummistiefel, Gummihandschuhe, Gummischürze, Schutzbrille und Staubmaske) hingewiesen werden.
 8-(


Aluminiumsulfat wird auch gerne für Kläranlagen eingesetzt und dürfte bei auch bei kleineren Chemikalienhändlern zu bekommen sein. Evtl. auch über Einkaufsgenossenschaften für Landwirte etc. Fischöle findet man in Hamburg bei entsprechenden Lieferanten von Fischfabriken Fassweise oder in Kanistern.

Nochwas zum Entfleischen:
Wie genau soll der Scherdegen (oder scharfes Messer) auf der Haut aufgesetzt werden?
Wenn ich die Beschreibung richtig verstanden habe erfolgt die Messerbewegung wie die eines
Holzhobels, oder?

Messer ca. 10 bis 25 ° aufsetzen und nach vorne schieben dabei nach rechts oder links ziehen. Damit hat man einen schiebenen und schneidenen Effekt. Bei Wildschwein kann beim Speck auch nur nach vorne Schieben und schaben. Scherdegen gut abziehen.

Siehe auch Lederpedia: http://www.lederpedia.de/doku.php?id=lederbegriffe:gerberw…

Gruß
Nappalan
Sprichwort aus der Mongolei: Wenn du für jemanden eine Lampe anzündest, wird es auch deinen Weg erhellen!
Hartung #3
Member since Oct 2009 · 53 posts
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Messer ca. 10 bis 25 ° aufsetzen und nach vorne schieben dabei nach rechts oder links ziehen. Damit hat man einen schiebenen und schneidenen Effekt. Bei Wildschwein kann beim Speck auch nur nach vorne Schieben und schaben. Scherdegen gut abziehen.

Hier ein Foto dazu. Wie ihr sehen könnt geht dazu auch ein Ziehmesser, wenn es sehr scharf geschliffen ist. Allerdings benötigt man schon etwas Übung um Beschädigungen der Blöße durch Schnitte zu vermeiden  :-D

[Image: http://img53.imageshack.us/img53/1557/auerslicingmotionje4.jpg]
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