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Hallo Ghost,
ich habe in einem anderem Zusammenhang ähnliche Fragen per E-Mail beantwortet die ich hier einfach anhängen möchte. Evtl. sind die Fragen damit dann beantwortet! Sonst einfach wieder posten.
Die Verwendung von Tubenware, Dosenware und Imprägnierung:
Alles zusammen bitte nicht anwenden. Grundsätzlich können Sie sich sowohl für Tubenware als auch für Dosenware entscheiden. Bei Dosenware sehe ich den Vorteil für traditionelle festnarbige Schuhtypen mit sehr glatter und glänzender Oberfläche. Mit stets dünner und entsprechend des Gebrauches / Verlust der optischen Oberflächeneigenschaften angepassten Anwendungshäufigkeit (nur bei Notwendigkeit - nicht automatisierte Regelmäßigkeit) sehe ich hier eine große Chance auf einen langen Erhalt der Oberfläche ohne Reduzierung der tragehygienischen Eigenschaften. (z.B. Wasserdampfdurchlässigkeit WDD)
Die Cremeware oder auch Tubenware ist für alle von den traditionellen Typen abweichenden Schuhoberledertypen sinnvoll. Durch die größere Weichheit werden diese Typen sinnvoller ergänzt und neigen i. d. R. nicht zur Schichtbildung, was bei weicheren Typen zum Verlust der optischen Unversehrtheit führen könnte.
Imprägnierung:
Hier gilt das bereits gesagte. Wenn Sie mit - Tubenware oder Dosenware eine Behandlung durchgeführt haben und die Wassertropfenechtheit, bzw. das Abperlen damit erfolgt, bzw. gleichzeitig der Wasserdurchtritt
erfolgreich vermieden werden kann, entfällt eine weitere Imprägnierung. Haben Sie aber Schuhe die noch keine Tubenware oder Dosenware braucht, weil keine Veränderung der Oberfläche stattgefunden hat und weil die Weichheit oder Härte immer noch so wie gekauft ist und wenn Sie eigentlich nichts brauchen dann reicht eine einfache Imprägnierung aus, um die notwendige Wasserabweisung zu erhalten. Aber selbst diese Wasserabweisung muss nicht erfolgen, wenn das Leder noch klasse ausgerüstet ist, bzw. sichtbar Wasser in Tropfenform abperlen lässt. Der langsame Verlust dieses "Abperleffektes" nehmen Sie bei genauerer Betrachtung insb. im Sohlenübergangsbereich zum Oberleder wahr
Dann muss wieder imprägniert werden. Manchmal ist die "Imprägnierwirkung" einer Tubenware oder Dosenware nicht ausreichend (wiederum am Abperleffekt erkennbar) und dann muss in solchen Fällen zusätzlich imprägniert werden. Eine globales Ja oder Nein zur zusätzlichen Imprägnierung ist damit nicht möglich. Aber sehr häufig ist bei namhaften Herstellern eine zusätzliche Imprägnierung nicht zwingend.
Dehydrierung oder Entfettung:
Das Thema ist nicht ganz einfach und braucht eine systematische Vorgehensweise. Schuhe oder andere Leder (Restaurierungen, Buchbinder etc.) müssen bei Verdacht der Austrocknung oder des Fettverlustes stets über Rehydrierung getestet, bzw. die Notwendigkeit ermittelt werden.
Das bedeutet, die betroffenen Leder zunächst mit destilliertem Wasser (evtl. über Feinnebel oder mit einem fusselfreien Baumwolllappen) zu befeuchten. Zieht das Leder offensichtlich die Feuchtigkeit schnell, ist die Notwendigkeit der "Rehydrierung" offensichtlich. Zieht das Leder die Feuchtigkeit nicht oder extrem langsam (mehrere Minuten und >, Wassertropfentest mit destilliertem Wasser) kann das 2 Ursachen haben.
Ursache 1:
Das Leder ist ausreichend in der Feuchtigkeit und hat kein Bedarf Wasser aufzunehmen. Die Sprödigkeit und Oberflächenverhärtung ist auf einen Fettverlust zurückzuführen. Hier kann eine Emulsionsware eingesetzt werden, die i. d. R. Emulgatoren und hydrophile Bestandteile aufweisen, um ohne Überfettung eine Durchdringung (nicht des ganzen Lederquerschnittes) der oberen Narbenschicht zu gewährleisten und die "nur" äußere Narbenschicht
wieder rückfetten, um Bruch oder Reduzierung der physikalischen Echtheiten (Flexe = Gehbewegung / Faltenbildung) durch Fettentzug zu vermeiden / unterbinden. Die farbliche Oberflächengestaltung und Glanz, sowie
Polierbarkeit und Imprägnierung erfolgt dann nach diesen Vorarbeiten.
Ursache 2:
Das Leder ist nicht ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt, der Wassertropfen zieht dennoch nicht ein, das Leder zeigt dennoch Versprödungen und evtl. Bruch, das Leder macht aber einen insgesamt fettigen Eindruck oder lässt nicht eine Annahme des Fettverlustes zu, da insgesamt trotz Bruch Beweglichkeit und Dehnfähigkeit vorhanden ist.
Hier scheint anstatt Wasser das Leder mit Fett oder wachsartigen Stoffen überfrachtet zu sein. Insb. Fette die extrem hydrophob sind und die Wasseraufnahme unterbinden und gleichzeitig den Fettgehalt im Leder über das notwendige Maß hinaus erhöhen. Weichheit durch Fett vorhanden aber Faserumhüllung durch Wasser unterbunden. Die Faser trocknet trotz Fettweichheit aus und kann brechen. Evtl. können sogar dann noch vorhandene Restsäuren aus dem Leder, Klima oder sogar durch ungeeignete Pflegemittel / Fettsubstanzen ungesättigte Fettsäuren in das Lederinnere gelangen die dann zur Faserauflösung führen können. In solchen Fällen muss die Fettüberfrachtung eine Reinigung der Schuhe (mehrfaches Abbürsten mit einer Emulgatorlösung) um die nicht notwendige Fettüberfrachtung los zu werden, durchgeführt werden. Bei Schuhen in seltenen Fällen (bei Restaurierungen häufig) muss gleichzeitig noch nachneutralisiert werden. Aber das ist ein anderes Thema.
Bedeutung und Nutzen der Rehydrierung:
Das Wort Rehydrierung wird bei uns Gerbern verwendet ist aber im Volksmund oder bei den Lederverarbeitern zu fachspezifisch und kann dann schlecht erklärt werden. Denn die Wiederbenetzung mit Wasser (Rehydrierung) kann sowohl das Leder im Querschnitt der Matrix betreffen, kann aber auch an das im Leder gebundene Wasser anknüpfen (Hydratwasser oder chemisch gebundenes Wasser). Besser ist - Wiederherstellung des natürlichen Wassergehaltes - als besondere Bezeichnung für diesen Vorgang. Das kann man im einfachsten Fall durch die Verwendung von dem. Wasser erreichen oder manchmal auch mit Dampf oder auch über eine Fettemulsion wenn gleichzeitig Fett fehlt. Sonst natürlich nicht.
Viele Grüße
Nappalan
Sprichwort aus der Mongolei: Wenn du für jemanden eine Lampe anzündest, wird es auch deinen Weg erhellen!